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Was Sie schon immer über Bio wissen wollten

Bio ist in aller Munde. Doch was ist dran? Und was ist Betrug? – 20 Wahrheiten über Bio.

 

  1. Woran erkennt man Bio?
    In der EU darf nur mit „bio“ bezeichnet werden, was tatsächlich der EU-Öko-Verordnung entspricht. In Deutschland prangt auf vielen Bio- Lebensmitteln das sechseckige Bio-Siegel:





    Seit Mitte 2010 ist das neue EU-Bio-Siegel Pflicht. Für verpackte Produkte besteht jedoch noch eine Übergangsfrist bis 2012. Schon jetzt verpflichtend trägt jedes Bio-Lebensmittel auf der Verpackung die Codenummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle, zum Beispiel DE-Öko-001.
     
  2. Schmeckt Bio besser?
    Obst und Gemüse schmecken oft intensiver, weil sie durch den Verzicht auf Kunstdünger weniger Wasser enthalten. Vollkornprodukte schmecken durch ihren Schalenanteil kerniger. Verarbeitete Lebensmittel kommen fast alle ohne zugesetzte Aromen aus. Sie schmecken dadurch für manche Menschen ungewohnt, für andere jedoch echter und damit besser.
     

  3. Ist Bio fair?
    Viele Bio-Hersteller der 80er- und 90er-Jahre bauten faire Projekte in Entwicklungsländern auf. Dabei spielten faire Preise und langfristige Verträge eine wichtige Rolle – auch ohne Fair-Trade-Siegel. Das Bio-Siegel alleine garantiert jedoch noch keinen fairen Handel, weder in Europa noch in den Tropen.
     

  4. Ist Bio gesünder?
    Um wirklich hieb- und stichfest beweisen zu können, dass Bio gesünder ist, müsste man jahrelang viele 100-prozentige Bio-Esser mit einer Gruppe vergleichen, die sich konventionell ernährt. Außerdem müssten die beteiligten Personen sich in anderen Lebensbereichen „gleich“ verhalten – ähnlich viel Sport treiben, ähnlich viel oder wenig Fleisch essen … Eine solche Studie gibt es nicht, jedoch viele Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Bio-Produkte gesünder sind.
    - Sie enthalten mehr gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe.
    - Bio-Milch enthält 15 bis 80 Prozent mehr Vitamine A und E sowie 40 bis 90 Prozent mehr mehrfach ungesättigte Fettsäure. Womöglich leiden darum Kleinkinder, die Bio-Milch statt konventioneller trinken, seltener an allergischen Hauter-krankungen.
    - Fütterungsversuche bei Tieren zeigen, dass Öko-Futter die Parameter des Immunsystems positiv beeinflusst.

    Abgesehen von Impfungen müssen Biobauern auf den Einsatz von vorbeugenden Medikamenten verzichten. Durch eine gute Hygiene, hochwertiges Futter, Auslauf und möglichst wenig Stress wird versucht, die Tiere gesund zu halten.Pflanzenschutzmittel mit chemisch-synthetischen Inhaltsstoffen sind im Biolandbau verboten. Stattdessen versuchen Biobauern, die eigenen Abwehrkräfte der Pflanzen zu stärken. Dies passiert etwa, indem sie die Nachbarschaft der Pflanzen oder den Saatzeitpunkt geschickt auswählen. Um Schädlinge wie Raupen von den Feldern fernzuhalten, fördern Biobauern zudem das Vorkommen bestimmter Insekten- und Vogelarten in der Umgebung. Marienkäfer etwa helfen, Blattläuse zu bekämpfen.

  5. Werden hiesige Bio- Bauern fair bezahlt?
    Viele Naturkostunternehmen arbeiten eng mit Bio-Bauern in ihrer Region zusammen, auch wenn sie anderswo billiger einkaufen könnten. Mehrere Initiativen setzen sich für faire Beziehungen zwischen Bauern, Verarbeitern und Handel ein. Zum Beispiel die Upländer Bauernmolkerei.
     

  6. Ist Import-Bio sicher?
    Nicht überall arbeitet das Kontrollsystem so gut wie in Deutschland und Österreich. Dennoch wird der allergrößte Teil der importierten Bio-Erzeugnisse korrekt nach Öko-Regeln angebaut. Einerseits gibt es die gesetzlichen Vorschriften, andererseits die erfahrenen Importeure, die den Bio-Fachhandel versorgen und wissen, wo sie aufpassen müssen. Viele von ihnen haben eigene Anbauprojekte und schulen die Bauern vor Ort.
     

  7. Ist Bio gleich Bio?
    Das EU-Bio-Logo und das Bio-Siegel garantieren die Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung. Die Regelungen der Bio-Anbauverbände wie Bioland, Biopark, Naturland oder Demeter sind strenger. So müssen Bauern ihren Hof komplett umstellen und Verarbeiter auf manche Zusatzstoffe verzichten. Nur wer diese Regeln einhält, darf das Logo des jeweiligen Verbandes nutzen.
     

  8. Schützt Bio das Klima und die Umwelt?
    - Bio-Bauern schützen das Grundwasser vor Pestiziden und Nitraten. Sie fördern mit ihrer Arbeit die Artenvielfalt und steigern die Fruchtbarkeit des Bodens.
    - Bio-Felder können mehr Wasser halten und beugen damit Überschwemmungen vor. Auch Dürreperioden lassen sich dadurch besser überstehen.
    - In Entwicklungsländern trägt der Öko-Landbau dadurch zu mehr Ernährungssicherheit bei. Er gibt Kleinbauern die Chance, für sich selbst und die lokalen Märkte genug Lebensmittel zu produzieren, ohne die Böden auszulaugen.
    - Zudem verbrauchen Bio-Bauern für die Erzeugung von einem Kilogramm Nahrungsmittel weniger Energie als ihre konventionellen Kollegen. Sie tragen damit zum Klimaschutz bei.
     

  9. Was ist Naturkost?
    Naturkost ist eine Sammelbezeichnung für Lebensmittel, die mehr sind als „Bio“. Sie sind möglichst vollwertig, also wenig verarbeitet, und sollen sozial verträglich hergestellt und gehandelt werden. Es gibt kein Siegel und keine konkreten Standards für Naturkost. Es ist ein Anspruch, den sich die Bio-Bewegung von Anfang an gestellt hat, den Bio-Läden bis heute hochhalten und aus dem sich die EU-Bio-Verordnung entwickelt hat. Dargestellt sind die Ansprüche im Bio-Kodex des Branchenverbandes BNN (www.bio-kodex.de).
     

  10. Betrügen die Bios?
    Nein. Doch auch hier gibt es schwarze Schafe. Damit diese gefunden werden, wird engmaschig kontrolliert. Jeder Betrieb muss sich jedes Jahr neu zertifizieren lassen. Hinzu kommen die Analysen und Kontrollbesuche der Hersteller und Händler. Kaum ein Lebensmittel wird so gründlich kontrolliert wie das aus Öko-Anbau.
     

  11. Heilt Bioernährung Allergien und Unverträglichkeiten?
    Nein. Aber dass Bio-Hersteller auf problematische Zusätze wie Hyperaktivität fördernde Farbstoffe oder allergieauslösende Sulfite bei der Verarbeitung verzichten, hilft Menschen, die an Unverträglichkeiten leiden. Ein breites Sortiment an glutenfreien Lebensmitteln hilft Menschen, die dieses Getreideeiweiß nicht vertragen.
     

  12. Kann man Bio im Discounter trauen?
    Wo Bio draufsteht, muss auch Bio drin sein, das wird kontrolliert. Auf jeden Fall erfüllt Bio aus dem Discounter die EU-Mindeststandards.
     

  13. Geht es Bio-Tieren besser?
    Ja. Sie müssen so gehalten werden, dass sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Kühe wollen auf die Weide, Hühner müssen scharren und picken, Schweine wollen wühlen. Deshalb schreiben die Öko-Regelungen artgerechtes Futter, genug Platz im Stall und Auslauf vor. Auch hier sind die Bio-Verbände anspruchsvoller als die EU. In vielen Projekten arbeiten Wissenschaftler und Bio-Bauern daran, die Haltungsbedingungen weiter zu verbessern.
     

  14. Warum ist Bio teurer?
    Der höhere Preis für Bio-Lebensmittel hat mehrere Gründe:
    - Weil sie auf Pestizide und Mineraldünger verzichten, haben Bio-Bauern einen höheren Arbeitsaufwand und geringere Erträge. Beispiel Kartoffel: Ein Bio-Bauer erntet im Schnitt 20 Tonnen je Hektar, der konventionelle Landwirt 30.
    - Bio-Tiere bekommen Öko-Futter, wachsen langsamer und werden nicht so extrem auf Hochleistung getrimmt.
    - Die Bio-Hersteller verzichten auf viele Hilfs- und Zusatzstoffe, die die Produktion einfacher und billiger machen.
    - Der Bio-Fachhandel bietet ein volles Bio-Sortiment mit fachkundiger Beratung und viel Service. Das braucht mehr Personal und kostet mehr, als nur einige Bio-Lebensmittel günstig anzubieten, wie das Discounter machen.
     

  15. Ist Bio ohne Gentechnik?
    Die Öko-Regelungen schließen Gentechnik in Anbau und Verarbeitung völlig aus. Auch dort, wo sie bei konventionellen Lebensmitteln erlaubt ist und nicht deklariert werden muss – etwa beim Tierfutter oder bei Zusatzstoffen. Mit aufwendigen Maßnahmen und Analysen versuchen die Hersteller, jede gentechnische Verunreinigung zu verhindern – fast immer mit Erfolg. Dennoch können Bio-Lebensmittel Verunreinigungen enthalten, denn Bio wird nicht unter der Glaskugel angebaut.
     

  16. Ist Bio frei von Zusatzstoffen?
    Die EU-Öko-Verordnung erlaubt nur knapp 50 der über 300 sonst erlaubten Zusatzstoffe. Gestrichen sind künstliche Farb- und Konservierungsstoffe, Geschmacks-verstärker und synthetische Vitamine. Eingesetzt werden darf nur, was unbedingt notwendig ist. Dazu gehören pflanzliche Verdickungsmittel wie Pektin oder Lecithin als Emulgator. Die Anbauverbände erlauben noch weniger Zusatzstoffe und be-schränken diese auf wenige Produkte.
     

  17. Gibt es Würmer in Bio-Obst?
    Auch Bio-Bauern schützen ihre Erzeugnisse vor Schädlingen: Sie vermeiden Monokulturen, verwenden robuste Sorten, fördern Nützlinge. Nimmt ein Schädling dennoch überhand, darf ihn der Bauer nur mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln bekämpfen. Dazu gehören Schmiersefe und Schwefel ebenso wie die Extrakte des indischen Neem-Baumes. Zugelassen sind auch Mikroorganismen.
     

  18. Warum spritzen Bios Kupfer?
    Kupfer ist einerseits das wirkungsvollste traditionelle Mittel gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau. Andererseits kann sich das Schwermetall im Boden anreichern, das Bodenleben und die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Es wird sowohl im konventionellen wie auch im Bio-Anbau eingesetzt. Im konventionellen Anbau sind die eingesetzten Mengen allerdings nicht geregelt, im Öko-Landbau dagegen begrenzt. Nach Alternativen wird geforscht. Aber noch ist Kupfer für den Obst- und Weinbau sowie für den Anbau von Hopfen kaum zu ersetzen.
     

  19. Womit düngen Bio-Bauern?
    Bio-Bauern bringen Mist und Gülle der Tiere sowie pflanzlichen Kompost als organischen Dünger aufs Feld. Zudem bauen sie als Zwischenfrucht Bohnen, Erbsen oder Klee an. Diese Pflanzen können mit Hilfe von Bodenbak-terien Stickstoff aus der Luft binden und im Boden anreichern. Chemisch gewonnener Stickstoff (Kunstdünger) ist verboten.
     

  20. Ist Naturkosmetik bio?
    Die Logos für kontrollierte Naturkosmetik legen die Mindeststandards fest. Diese schreiben nur für wenige Standardzutaten wie Ringelblume oder Olivenöl den Bio-Anbau vor. Bei den im Bio-Laden angebotenen Produkten der Naturkosmetik-Pioniere stammen viel mehr pflanzliche Zutaten aus Bio-Anbau und werden in der Zutatenliste ausgelobt. Nur wenn der Bio-Anteil an den landwirtschaftlichen Zu-taten, also ohne Wasser und Tenside, über 95 Prozent liegt, dürfen die Produkte „Bio“ im Namen tragen. Viele Marken aus dem Bio-Laden haben für ihre Bio-Rohstoffe eigene Anbauprojekte gegründet und zahlen den Bauern faire Preise.

 

Viele Inhalte gehen auf die Reportage von Leo Frühschütz zurück.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Internationale Datenbank der Hersteller von Naturkost- und Bioprodukten.